Nähe und Distanz

Pflege mit Herz, aber nicht ohne Abstand 

Als Pflegekräfte arbeiten wir sehr nah mit Menschen zusammen. Dabei ist es jedoch wichtig eine Distanz zu schaffen und diese auch zu wahren. Ich möchte euch in diesem Blog zeigen, wie wir Pflegekräfte täglich die Balance zwischen Empathie und professioneller Distanz meistern.

Nähe und Distanz im Alltag

Wir begegnen Menschen tagtäglich. Sei es auf der Strasse, im Bus oder zuhause. Dabei achten wir darauf, dass ein Gleichgewicht von Nähe und Distanz geschaffen wird, so dass wir uns wohlfühlen. 

Nähe und Distanz im Arbeitsalltag

Aufgrund physischer und psychischer Einschränkungen unterstützen wir im Pflegealltag die Bewohnenden individuell und vielfältig. Dadurch verändert sich das Verhältnis von Nähe und Distanz. Auf der körperlichen Ebene helfen wir beim Waschen, Kleiden, Essen oder Gehen, wobei wir nahe beim Menschen tätig sind. Auch wenn wir den Bewohnenden zuhören, ihnen Zuwendung schenken und Anteilnahmen leisten sind wir emotional ganz nah. Diese Nähe ist essentiell, um eine gute und sichere Pflege zu gewährleisten. 

Die Distanz ist allerdings genauso wichtig. Sie dient als Selbstschutz der Mitarbeitenden auf emotionaler wie psychischer Ebene. Dabei muss man seine eigenen physischen und psychischen Grenzen kennen und diese einhalten können. Durch die Distanz wird eine Professionalität erschaffen, wobei man keine privaten Rollen einnimmt. Die Pflegekräfte ersetzen also nicht Angehörige, auch wenn keine vorhanden sind. Wenn man diese Professionalität nicht einhalten kann und zu viel Nähe zulässt, kann dies zu einer emotionalen Abhängigkeit und Rollenkonflikten, respektive Intrakonflikte der Pflegenden führen. Mit der Distanz gelingt es die Persönlichkeit und Intimsphäre der Bewohnenden zu respektieren. 

Vertrauen und Balance als Grundlage

Ein professionelles Verhältnis von Nähe und Distanz setzt Vertrauen voraus. Viele Menschen haben jedoch Mühe zu akzeptieren, dass sie nun Hilfe in einigen Tätigkeiten benötigen. Dies kann dazu führen, dass das Pflegepersonal die Grenzen der Bewohnenden überschreiten, was zu psychischem Stress und Unsicherheiten für alle Beteiligten führen kann. Daher ist das Zeil einer professionellen Pflegebeziehung, dass die Bewohnenden wie wir Mitarbeitenden Entscheidungsspielraum und Mitgestaltungsmöglichkeiten bezüglich der Nähe und Distanz haben.  

Als Pflegekraft diese Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden kann schwierig sein, gerade wenn man frisch in diesem Beruf tätig ist. Daher sind Schulungen und Reflexionen zentral. Um sich reflektieren zu können, sind fortlaufende Rückmeldungen bedeutsam. Nur so kann man selbst erkennen, wo noch Verbesserungspotenzial ist. Auch helfen Gespräche mit erfahrenen Pflegenden. So kann man sich über schwierige Situationen austauschen und Tipps holen. Wir als Pflegekräfte tragen Berufskleidung, verwenden Handschuhe und reden die Bewohnenden wie die Angehörigen in der Höflichkeitsform an, damit wir uns generell distanzieren können. 

Gute Pflege heisst also, verbunden zu sein, ohne sich zu verlieren. Herz und Verstand sind gefragt. 

Autor: Ayline Schmocker Fachfrau Gesundheit 2. Lehrjahr

Nähe und Distanz im Pflegalltag